Verstellungen und Hufpflege beim Fohlen

 

Ohne Huf kein Pferd, heißt es nicht zu Unrecht.

Es ist schon erstaunlich, dass ein Thema, das so wichtig für die gesunde Entwicklung und den Marktwert eines Fohlens ist, so wenig Beachtung erfährt wie die Hufe eines Fohlens. Dabei ist es mit dem nötigen Fachwissen um die sorgsame Hufpflege im Fohlenalter beinahe immer möglich ein belastbares Sportpferd ohne größere Fehlstellungen hervorzubringen.

 

Ein Wort zu den Auswirkungen von Verstellungen in Sport und Zucht

Es ist beinahe unmöglich, zutreffende Pauschalbeurteilungen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Verstellungen abzugeben. Es gibt unter Pferden wie Menschen Individuen, die trotz geringer Fehlstellungen gesundheitliche Probleme haben (die „Weicheier“) und Pferde, die trotz groben Verstellungen dennoch sportlich belastbar sind und bleiben (die „Harten“). Ein  kritischer Blick auf die Hufe erfolgreicher Sportpferde würde jedenfalls vielen Zuchtleitern die Nackenhaare aufstellen.

 

"Krumme Füße" werden vom Züchter gern vorschnell mit dem Urteil "nicht belastbar" gleichgesetzt. Korrektheit ist schließlich ein Punkt, der leicht sichtbar und damit erreichbarer ist als schwammige Kriterien wie ein "hartes Pferd". Die Praxiserfahrung mit tatsächlich massiv verstellten Sportpferden sinkt in dem Maße, wie dieser Makel züchterisch ausgemerzt wird. Dabei nehmen selbst geübte Reiter geringgradige Verstellungen und Fundamentsmängel bei ihren Sportpferden kaum wahr. Solange kein teurer Spezialbeschlag notwendig wird, darf das Pferd also ruhig krumm daherkommen. Erlaubt ist, was Spaß macht, also in erster Linie ein gesundes Pferd ohne sportliche Einschränkungen.

 

Korrektheit der Gliedmaßen ist ein Maßstab, der in der Urform der Equiden so nicht vorgesehen ist. Erst der Mensch hat 100% Korrektheit zum Selektionskriterium und Bewertungsmaßstab gemacht. Selbst bei Hengstkörungen (wo Verstellungen so hoch gewichtet werden wie sonst nirgendwo) kommt man heutzutage verbandsübergreifend zu dem Schluss, dass die sportliche Qualität vor dem Sieg auf dem Pflaster steht. Und trotzdem sieht man mit geübtem Blick immer wieder bei den Vorauswahlen Fehlstellungen, die mit einem guten Schmied zu beheben gewesen wären.

Der Maßstab, der bei den zukünftigen Deckhengsten (selbst zur Erteilung des Prämientitels) angelegt wird, sinkt in den letzten Jahren zusehends. Selbst Zuchtverbände, die früher Korrektheit regelrecht gepredigt haben, weichen ihre Kriterien auf. Im Vordergrund steht vermehrt eine Konzentration auf sportliche Qualitäten, die sicher zweckmäßiger ist als übermäßige Fehlerguckerei.

 

Trotzdem sind Verstellungen ein Thema, auf das Pferdezüchter empfindlich reagieren. Es sind schließlich offensichtliche Makel, die es in der eigenen Zucht möglichst komplett abzustellen gilt. Ein stark verstelltes Hengstfohlen ist wohlmöglich als Hengstanwärter nicht zu vermarkten und schädigt dessen Marktwert erheblich.

Dagegen ist die Verbreitung von Gegenmaßnahmen in Züchterställen noch schwach entwickelt. Das Problem ist im Regelfall, dass Verstellungen gern als genetisch bedingt und unveränderlich deklariert werden. Dabei sind selbst schwerwiegende Verstellungen beim Fohlen im jungen Alter durch akribische Hufpflege korrigierbar. Doch hier gilt: Gewusst wie!?! (Dazu später mehr…)

 

Wodurch entstehen Verstellungen?

Die Ursachen für Verstellungen können vielfältig sein. Die Lage des Fohlens in der Gebärmutter kann bereits zu Beeinträchtigungen in der Entwicklung oder zu einer Deformation des Fohlens führen (z.B. durch über Kreuz gelagerte Beine). Alternativ kann eine Fehlentwicklung durch unterschiedlich starke Ausprägung der Muskulatur, des Sehnen- oder Bandapparates Verstellungen heraufbeschwören. Solche Faktoren sind vom Züchter nicht direkt abzustellen, sondern können erst beim neugeborenen Fohlen bemerkt und behandelt werden.

Das Problem bei Verstellungen ist, dass trotz aller Verteufelung der Problematik viele Stellungsfehler tatsächlich hausgemacht sind. Die häufigste Ursache von Verstellungen sind rudimentäre Haltungsfehler. Meistens ist ein Mangel an Hufpflege oder falsche Haltungsbedingungen die Ursache, aber denkbar sind auch Fütterungsfehler bzw. eine Unterversorgung der Zuchtstute während der Trächtigkeit.

Stellungsanomalien, die beim wenige Tage alten Fohlen noch nicht vorhanden sind und sich erst in den ersten Lebensmonaten entwickeln, sind meist die Folge von falscher Hufpflege. Die Ursachen für Stellungsfehler sind aber im Nachhinein beim erwachsenen Pferd nicht eindeutig zu klären. Verstellungen, die ein Pferd im Laufe seines Lebens erworben hat, wird es nicht vererben.

Überhaupt ist die Erblichkeit von Verstellungen nachweislich als sehr niedrig einzustufen. Trotzdem werden Verstellungen von Züchtern hartnäckig als erblich bedingt hingestellt. Die Beweggründe hierfür sind eindeutig, denn kein Züchter lässt sich gern vorhalten, dass er lückenhafte Hufpflege betrieben hätte. Die Liste der genannten Ursachen ist lang: Erblichkeit (auf Vaterseite natürlich!), scharrende Hufe auf hartem Boden, unfähiger Hufschmied, etc. In den seltensten Fällen kann die Frage nach der Ursache beim erwachsenen Pferd mit letzter Sicherheit geklärt werden. Aber manche Mäkel, wie z.B. ein Bockhuf oder Zwanghuf, sind fast immer ein Produkt mangelnder Hufpflege.

 

 

Die Entwicklung des neugeborenen Fohlens

Es gibt zwei Ursachen, die maßgeblich dafür entscheidend sind, ob ein Fohlen Verstellungen entwickelt. Dies sind die Körperbalance (Symmetrie) des Fohlens und die Form der Hufe. Nachfolgende Erläuterungen sollen zeigen, warum die Jugendentwicklung des Fohlens überhaupt so wichtig für spätere Verstellungen ist.

 

Der Kampf um die Körperbalance

Beim neugeborenen Fohlen ist das Weichteilgewebe (also Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenkkapseln) bereits vollständig angelegt, aber noch nicht auf Belastung ausgelegt. Das Fohlen muss lernen sein eigenes Körpergewicht auszubalancieren, um auf den langen Beinen überhaupt stehen zu können.

Ein Fohlen, dessen Muskeltonus, Sehnen oder Bänder unterschiedlich weit entwickelt sind, hat jetzt ein Problem: Der Ausgleich von vorhandenen Schwächen führt automatisch zur Mehrbelastung der entgegengesetzten Seite, was wiederum zu Schiefe führt. Diese Schiefe muss durch die Stellung der Gliedmaßen ausgeglichen werden, damit das Fohlen im Gleichgewicht sein kann. Ein ganz natürlicher und sinnvoller Zustand also, der aber baldmöglichst wieder ausgeglichen werden muss, wenn das Fohlen keine verdrehten Gliedmaßen behalten soll.

Dazu sollte man bedenken, dass es für ein neugeborenes Fohlen von grundlegender Wichtigkeit ist bald nach der Geburt Stehen und Laufen zu können. Eine Flucht vor Feinden und das Weiterziehen mit der Herde sind für das Fohlen aus Sicht der Natur überlebenswichtig. Dagegen sind Nachteile wie kleinere Verstellungen erst einmal zu vernachlässigen. Der Mensch hat dagegen andere Bewertungsmaßstäbe was die Verstellungen angeht und sorgt dafür, dass dem Fohlen in seinen ersten Lebenstagen nichts passiert.

Die grundlegenden neuronalen Funktionen sind beim Fohlen angeboren. Die Feineinstellung des Bewegungsapparates und die volle Ausreifung der Funktionen erfolgt jedoch erst nach der Geburt. Die Haltungsform und damit die Menge der Bewegung und auch der Untergrund, auf dem das Fohlen sich bewegt, sind in den ersten Lebenswochen unheimlich wichtig. Denn innerhalb dieses Zeitfensters wird die Ausbildung von Verstellungen maßgeblich durch die Körperbalance (oder einen Mangel hiervon) beeinflusst.

Das ist auch der Grund, warum Verstellungen zu etwa 80% ein Produkt der Umwelt und Statik sind und nur zu etwa 20% genetisch bedingt. Verstellungen sind daher nicht gottgegeben, sondern können mit ein wenig Sachkenntnis und Einflussnahme auf die Statik erfolgreich begradigt werden.

  

Die Entwicklung der Hufe

Im Mutterleib ist der Fohlenhuf von einer weichen Masse  bedeckt, dem sogenannten Eponychium. Diese weiche Kappe über dem Huf schützt die Mutterstute während der Geburt vor inneren Verletzungen. Je härter und trockener der Untergrund, auf dem die Fohlenhufe sich nach der Geburt bewegen, desto schneller wird aus der weichen Masse ein harter Huf.

So wie die Sehnen und Bänder sich durch Bewegung straffen müssen, brauchen auch Fohlenhufe den harten Untergrund, um sich gesund zu entwickeln. Der Spreizdruck vom harten Boden fördert die Entwicklung der Hufe in die Breite. Der Untergrund regt außerdem die Durchblutung im Huf an und sorgt dafür, dass qualitativ hochwertiges Horn gebildet wird. Sinnvollerweise entsteht also bei viel Abrieb auch gesteigertes Hufwachstum. Deswegen ist eine Haltung im Stall (mit weicher Mistmatratze) unheimlich schädlich für das junge Fohlen. Trotzdem ist diese Haltungsform gerade bei früh im Jahr geborenen Fohlen leider immer noch oft anzutreffen.

Das Wachstum des Hufhornes ist beim jungen Fohlen etwa doppelt so schnell wie beim erwachsenen Pferd. Jeden Monat werden ca. 15mm neues Hufhorn gebildet. Aufgrund dieses starken Wachstums besteht die Chance über die Hufpflege Verstellungen vollständig und nachhaltig zu korrigieren. Allerdings sind ständige Nachkontrollen und Kontinuität in der Bearbeitung nötig, um Erfolge von Dauer vorweisen zu können.

  

Hufpflege beim Fohlen

Die erste Hufbearbeitung durch den Hufschmied erfolgt bei gesunder Entwicklung des Fohlens im Alter von 6 bis 8 Wochen. Davor ist der Huf noch zu weich, als dass eine Korrektur durch den Schmied sinnvoll wäre. Die Intervalle der Hufbearbeitung sollten beim Fohlen möglichst kurz gehalten werden, ein Rhythmus von 4 Wochen bietet sich an. Die permanente Kontrolle durch den Züchter, ob die Hufsituation Veränderungen unterliegt, sollte eine Selstverständllichkeit sein.

Anders sieht es aus, wenn bereits sichtbare Verstellungen beim Fohlen vorliegen. Dann sollte eine kritische wöchentliche Kontrolle auf Pflaster im Stand und in der Bewegung vorgenommen werden. Unbedingt muss jetzt reagiert werden und wenn nötig, im wöchentlichen Abstand die Bemühungen des Schmieds durch den Fachmann mit der Hufraspel unterstützt werden. Grundsätzlich gilt hierfür: Dort Horn wegnehmen, wo der Huf hindreht.

Wer dieses enge Zeifenster beim Fohlen ungenutzt verstreichen lässt, der vertut damit seine Chance die Hufsituation des Fohlens dauerhaft zu verbessern. Denn je älter das Fohlen wird, desto stabilder wird seine erlangte Statik und desto weniger Einfluss wird die Hufbearbeitung darauf nehmen können. Beim 4-5 Monate alten Fohlen sollte durch diese Maßnahmen bereits ein deutlicher Behandlungserfolg eingetreten sein.

 

Manche Fohlenbesitzer beschleicht die Sorge, das „Herumpfuschen“ am Huf würde dem Fohlen Schaden zufügen. Das ist eine unbegründete Sorge! Denn beim neugeborenen Fohlen sind Sehnen, Bänder und Gelenkkapseln zwar vollständig angelegt, aber noch nicht auf Belastung ausgelegt. Eine Feinjustierung und Aushärtung erfolgt erst deutlich nach der Geburt. Daher macht eine Korrektur am Fohlenhuf Sinn, solange die Wachstumsfugen noch nicht geschlossen sind. Innerhalb eines natürlichen Rahmens lässt sich der Bewegungsapparat durch die Maßnahmen am Huf noch in der Statik verändern und in seiner Schiefe korrigieren. Das beugt späteren Gelenkschäden durch Überlastung der krummen Gliedmaßen vor.

Schäden durch Korrekturmaßnahmen am Huf entstehen vor allem dann, wenn beim älteren Pferd mit der Korrektur der Hufe übertrieben wird. Hier macht eine Umstellung unter Umständen überhaupt keinen Sinn mehr und sollte vom Schmied -wenn überhaupt- dann nur äußerst vorsichtig und graduell vorgenommen werden.

 

 

Was kann man gegen Verstellungen tun?

Das wichtigste ist sich der Vorhandenen Ungleichmäßigkeiten und Abweichungen im Fundament des Fohlens frühzeitig bewusst zu sein. Ein unerfahrener Züchter sollte zu dieser Bestandsaufnahme unbedingt einen Fachmann hinzuziehen. Auch ein langjähriger Reiter muss keinen geübten Blick für derlei Normabweichungen beim Fohlen haben.

Der Züchter sollte in den ersten Lebensstunden und Tagen das Fohlen unbedingt einmal kritisch auf Stellungsanomalien beurteilen. Dazu ist bei geringgradigen Problemen ein harter, ebener Untergrund angebracht, stärkere Verstellungen zeigen sich meist schon deutlich genug auf weichem Untergrund.

Fehlstellungen können bereits beim wenige Stunden/ Tage alten Fohlen festgestellt werden. Probleme sollten so bald wie möglich behandelt werden, denn je jünger das Fohlen ist, desto besser können Sehnen, Bänder und Gelenke bis zur endgültigen Stabilisation noch positiv zu beeinflussen. Eine vollständige Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je früher eine Behandlung der Hufe erfolgt.

Natürlich gibt es auch angeborene Anomalien, die so schwerwiegend sind, dass in erster Linie die Wiederherstellung der Belastbarkeit des Pferdes das primäre Ziel sein muss. Natürlich ist im Sinne der Statik eine Korrektur dennoch immer bemüht, möglichst vollständige Korrektheit zu erlangen. Die Hufbearbeitung strebt immer dieses Ziel an, auch wenn dieses Ergebnis zuletzt nicht zu 100% haltbar ist.

 

Tierarzt

Ein Tierarzt kann meist kompetent darüber Auskunft geben, dass eine Verstellung vorhanden ist und welche Ursache dafür wahrscheinlich ist. Einem Krankheitsbild kann damit frühzeitig begegnet werden. Ein Tierarzt wird aber naturgemäß eher einen chirurgischen Eingriff oder eine Schiene zur Behandlung in Erwägung ziehen. Das sollte aber nur im absoluten Härtefall geschehen.

 

Osteopath

Wenn die Ursache für die Verstellungen in einer unterschiedlichen Ausprägung der Muskulatur oder asymetrischen Entwicklung des Fohlens begründet liegt, macht es Sinn schon beim wenige Tage alten Fohlen einen guten Osteopathen hinzu zu ziehen. Auch bei Sehnenfehlstellungen habe ich bereits gute Behandlungserfolge von Osteopathen beobachten können.

Der Osteopath kann bereits mit einer einzigen Behandlung dafür sorgen, dass das Fohlen sich gleichmäßiger entwickelt und somit Verstellungen bereits im Frühstadium effektiv entgegenwirken. In besonders schwerwiegenden Fällen mag eine Nachbehandlung notwendig werden. Wenn die Entwicklung des Fohlens beidseitig gleichmäßig erfolgt und der Rücken stabil ist, wachsen sich die krummen Gliedmaßen eines jungen Fohlens erstaunlich schnell zurecht.

 

Hufschmied

Der Hufschmied ist bei Stellungsanomalien meist der wichtigste Ansprechpartner. Ein guter Schmied kann viele kleinere Fehlstellungen bereits mit wenigen Hufbehandlungen komplett beseitigen. Ein Schmied kann eine erste Hufbearbeitung des Horns aber erst am ca. 6-8 Wochen alten Fohlen vornehmen.

Eine Erstbeurteilung der Hufe und des Gangbildes sollten unbedingt erfolgen, sobald Schwierigkeiten abzusehen sind. Dies gilt auch für die Zeit wenn das Hufhorn noch nicht weit genug entwickelt ist, um bearbeitet zu werden. Denn es ist z.B. auch die Anbringung von Klebeschuhen (Fohlenschuhen) an den Hufen denkbar, um Einfluss auf die weitere Entwicklung zu nehmen.

 

 

Arten der Verstellungen

 

Es gibt grundsätzlich 3 Arten von Fehlstellungen:

·         Achsfehlstellungen

·         Rotationsfehlstellungen

·         Sehnenfehlstellungen

 

Eine sehr gute Beschreibung dieser Varianten mit Bild finden Sie auf der Homepage Equivetinfo.de, weswegen ich an dieser Stelle nur verlinke und nicht im Detail auf die einzelnen Formen der Verstellungen eingehe. Es folgt lediglich eine Übersicht der häufigsten Probleme beim jungen Fohlen.

 

 

X-Beine

Die Valgusstellung ist in den ersten Lebenstagen bei vielen Fohlen anzutreffen. Diese Stellung ist durch die schmale Brusttiefe des Fohlens und die langen, noch sehr weichen Gliedmaßen zu erklären, die sich erst auf das Tragen des Gewichtes des Körpers einstellen müssen.

Im Regelfall wächst sich dies bei genügend Bewegung auf hartem Boden von alleine aus. Erst wenn das Fohlen älter ist und immer noch x-beinig steht, sollten die Außenkanten der Hufe regelmäßig beraspelt werden.

 

Durchtrittigkeit

Viele Warmblutfohlen sind in den ersten Lebenstagen leicht durchtrittig. Mit ausreichend Bewegung auf hartem Boden werden Bindegewebe, Bänder und Sehnen innerhalb weniger Tage stabilisiert und das Problem verliert sich meist von alleine. Ein durchtrittiges Fohlen darf nur so wenig wie möglich auf weichem Untergrund stehen!

Die  Durchtrittigkeit entsteht, weil die Fesselung von Sportpferden im Vergleich zu ursprünglicheren Rassen ziemlich lang ist. Der Schwerpunkt der Gliedmaßenachse gerät durch die lange, weiche Fessel hinter die Auftrittsfläche des Hufes. Dadurch kippt der Huf nach hinten ab und die Hufspitze berührt den Boden nicht mehr. Hierdurch fehlt der Druck des harten Untergrundes. Im Extremfall hat das Fesselgelenk Bodenkontakt, was zu schmerzhaften Verletzungen am Bein führen kann.

Wenn nach 14 Tagen keine deutliche Verbesserung erkennbar ist, müssen huforthopädische Maßnahmen ergriffen werden. Die Gabe von Präparaten wie Equistro Haemolytan oder Vivatol kann sich positiv auswirken.

 

Zwanghuf

Eine häufige Folge von der Haltung auf zu weichem Untergrund (Mistmatratze aber auch ein tiefer Sandpaddock) und einem Mangel an Bewegung ist die Bildung eines Zwanghufes.

Den Hufe fehlt der Spreizdruck vom harten Untergrund und zieht sich unter Belastung zusammen, anstatt sich auszudehnen. Die oft untergeschobenen Trachten stehen dann sehr eng zusammen und klemmen mit den steil stehenden Eckstrebenwänden den Strahl ein. In der Folge wird der Huf immer enger und die unphysiologische Belastung führt zu Quetschungen. Die Folge ist zu Beginn ein klammer Gang, bis hin zu späteren Lahmheiten. Auf weichem Boden bereitet der Zwanghuf kaum Probleme, die Problematik verschlimmert sich aber dadurch.

Ein Zwanghuf kann schon innerhalb der ersten Lebensmonate eines Fohlens entstehen, richtet beim Fohlen aber auch den größten Schaden an, weil die Hufbeinäste noch nicht voll entwickelt sind und nur fehlentwickelt in die Hufkapsel hinein wachsen können. Der Schmied muss unbedingt eine Kürzung der Trachten anstreben.

 

Verfasst im Juni 2013

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