Faszination Jagdreiten

Eine Reitsport-Tradition, die mich immer wieder fasziniert, ist die Jagdreiterei. Ich möchte mit ein paar stimmungsvollen Fotos Eindrücke zeigen aus dieser Welt, zu der leider immer weniger junge Reiter Bezug haben. Vielleicht gelingt es mir mit ein paar Bildern den ein oder anderen auf diese besondere Sparte der Reiterei neugierig zu machen? Ich halte es für einen wunderbaren Weg ein Pferd im Gelände zu arbeiten und eine wirklich spannende Abwechslung im Reitpferdealltag. Aber genug der Worte, jetzt sollen Bilder folgen!

 

 

 

 

 

Über das Jahr hinweg werden die Hunde mit Schauschleppen auf Veranstaltungen oder beim heimischen Training fit gehalten. Im Herbst beginnt dann die Jagdsaison, bei der die roten Röcke vor dem bunten Laub wieder aktiv werden. Das Bellen der Hunde, das Trompeten und das Donnern der Pferdehufe muss man einfach einmal live erlebt haben, um den besonderen Reiz nachvollziehen zu können.

 

 

 

 

  

Wie verläuft eine Schleppjagd eigentlich?

Die Jagd beginnt auf einem großen Treffplatz mit dem Stelldichein zu Pferd. Hier trifft man sich mit alten Bekannten und reitet die Pferde im Schritt warm. Es folgt eine kurze Ansprache des Jagdherrn und es werden die Piköre und der Master vorgestellt., die mit einer Armbinde gekennzeichnet sind An dieser Stelle wird im Regelfall auch auf den Schwierigkeitsgrad der Strecke, eine eventuelle Aufteilung des Feldes (nicht-Springer) Auslunft gegeben.

 

 

 

 

 Danach treffen die Hunde ein, die von der sogenannten Equipage geführt werden. Vor dem Abritt ertönt ganz traditionell das dreifache Horri-Doh! Nach der Begrüßung der Hunde wird gemeinsam zur ersten Schleppe aufgebrochen. Die Hunde laufen dabei immer vor dem Feld und die Reiter folgen.

Die Duftspur, der die Hunde auf der Schleppe folgen, wird von dem sogenannten Schleppenleger (und gegebenenfalls einem weiteren ortskundigen Reiter) gelegt. Dieser Spur folgen die Hunde mit mehr oder weniger lautem Geleut. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: Es werden keine Hunde auf echtes Wild angesetzt! Der Master gibt die (Fuchs-)Jagd frei und das Feld setzt den Hunden queerfeldein hinterher. Der Streckenverlauf ist den Reitern schließlich nicht bekannt und die Hunde führen das Feld an. Also geht es im wahrsten Sinne des Wortes immer der Nase nach!

 

  

 

 

 

Die Größe und der Trainingsgrad der Hunde sowie das Gelände bestimmen die Geschwindigkeit der Jagd. Für Jagdanfänger ist eine Beagle-Meute daher optimal, während die größeren Französischen Laufhunde (Francais Tricolore) meist ein deutlich höheres Tempo vorgeben. Da sollte man schon wissen, worauf man sich einlässt.

 

 

 

 

 

Nachfolgend ein paar Grundregeln des Jagdreitens und nützliche Hinweise zum Jagdverlauf. Auch auf den Schleppen dürfen Master, Equipage und Feldführer nicht überholt werden. Ansonsten folg das Reiterfeld hinter den Hunden in freier Zusammenstellung. Die zu Beginn der Jagd gewählte Position im Feld sollte jedoch aus Rücksicht auf andere Reiter beibehalten werden, damit jeder weiß, wo er hingehört und nicht unnötig die Wege anderer Reiter gekreuzt werden. Es wird grundsätzlich nur Schritt oder Galopp geritten.


 

 

 

Es wird in der Gruppe gesprungen und daher gelten ein paar Grundsätze, die der Sicherheit der Reiter dienen und für möglichst wenig Behinderung der nachfolgenden Reiter sorgen sollen. Die Sprünge bei einer Jagd sind meist breit und einladend gebaut, damit mehrere Pferde gleichzeitig darüber springen können. Ein Sprung wird immer auf gerader Linie angeritten und Distanzen nach vorn ausgeglichen.

Die Positionierung im Feld erfolg nach Erfahrungsgrad der Pferde. Solche Pferde, die sicher springen und Wasser durchqueeren, führen nach Möglichkeit das Feld an. Pferde, die noch an keiner Jagd teilgenommen haben oder in der Gruppe heftig werden, reitet man am äußeren Rand des Feldes. Kommt es zu einer Verweigerung, wird der Sprung nicht erneut angeritten, sondern direkt zum Feld aufgeschlossen.

 

 

 

 

 Eine Jagd besteht aus mehreren Schleppen, zwischen denen es zu Schrittphasen und Pausen kommt, um Pferde und Hunde regenerieren zu lassen. Je nach Beschaffenheit des Geländes und Anspruch der Jagd sind üblicherweise Strecken zwischen 15 und 30 Kilometern zu bewältigen. Meist wird bei einer Mittagspause für das leibliche Wohl der Reiter gesorgt. Oft wird das Feld von Kutschen oder einem Fahrzeugtross begleitet, so dass auch die nicht-Reiter einen Eindruck vom Jagdverlauf bekommen können. Das Mitführen von eigenen Hunden sollte nur angeleint oder im Auto erfolgen, um keine Konfikte mit der Hundemeute zu provozieren.

Auch wenn ein strenger Dresscode herrscht, sind die Teilnehmer von Jagden ansonsten bunt gemischt nach Reitweise, Pferderassen und Alter. Die Jagdreiterei ist keine elitäre Gesellschaft, hier wird jeder neue Reiter mit einem sicheren Pferd und Reitstil gern aufgenommen.

 

 

 

Am Ende der Jagd wird am Halaliplatz die Jagd beendet. Der Ablauf hierfür ist immer einheitlich, es wird gemeinsam zu Pferd den Bläsern gelauscht und danach gemeinsamen vom Pferd Abgesessen. Dann erhalten die Hunde endlich ihre Belohnung für die gute Jagd in Form des Curee (Pansen). Jeder Jagd-Teilnehmer erhält danach einen Eichen- oder Nadelbaum-Bruch vom Jagdherren, der für den Rest der Veranstaltung am Revers getragen wird. Auf ein Waidmannsheil erwidert man den Waidmannsdank. Beim gemeinsamen Ausklingen lassen des Abends gehören unbedingt die Sporen vom Stiefel entfernt, sonst gibt es eine Runde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Verfasst im Mai 2016

 

 

 

 

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