Gedanken zur Hengstwahl: Warum Hermes de Lux?

Nachkommen dieses Hengstes bei mir:

 

Lucia in the Sky 2016

 

 

(Foto: Station Beerbaum)

 

(Foto: T. Becker)

 

(Foto: Station Beerbaum)

 

 

  

 

Hermes D'Authieux AA

Ithuriel AA

Night and Day xx

Keslante

Nahiade AA

Emir IV

Illiade

G-Manjana EGE

Carthago Z

Capitol I

Perra

California III

Literat

Palme

 

 

 

Hermes de Lux ist ein Halbbluthengst von außergewöhnlicher Qualität am Sprung. Er verfügt über einen hinsichtlich Springleistung hochinteressanten Mutterstamm, der mit einem bezüglich Eigenleistung überragenden Angloaraber kombiniert wurde. Dass über die Elterntiere, die in der Schweiz respektive Frankreich beheimatet sind, in Deutschland nur wenig in Erfahrung zu bringen ist, enttäuscht ein wenig. Dabei brauchen sich beide Seiten wirklich nicht verstecken, wie der Abschnitt über seine Abstammung zeigen wird.

Hermes de Lux ist ein Blutpferd bester Machart und bietet eine gelungene Mischung aus Kraft und Geist am Sprung. Die Rückenlinie ist trotz des Carthago-Erbes stark, der Reitkomfort angenehm hoch, seine Bewegungen und Springmanier sind stets hervorragend ausbalanciert.

 

Eigenleistung

Bei seiner Körung 2011 in Holstein konnte der sportlich wirkende Junghengst mit durchweg guten Grundgangarten sowie hervorragender Qualität und großer Elastizität am Sprung die Körkommission überzeugen. Seine HLP in Neustadt/ Dosse schloss er als bester Springhengst ab, die Einzelnoten lauten 9,25 für die Springanlage, 9,0 für den Schritt, 8,63 für Interieur und Rittigkeit sowie 8,9 in der springbetonten und 8,51 in der gewichteten Endnote.

Unter dem Sattel von Christian Kukuk konnte er trotz längerer Verletzungspause in 2014 Siege in Springpferdeprüfungen der Klassen A (2014) und Platzierungen in Springpferdeprüfungen der Klassen L und M (2015) erringen. Die sportliche Förderung soll weiterhin unter der Ägide von Ludger Beerbaum erfolgen, womit große Hoffnungen in seinen weiteren Erfolg verbunden sind.

 

Abstammung

Die Mutterstute G-Manjana EGE wurde selbst in der Schweiz in Springpferdeprüfungen eingesetzt, bevor sie in der Zucht verwendet wurde. Sie vertritt den Holsteiner Stamm 5000. Eine Halbschwester zu Hermes de Lux, Wendy EGE von Calido I, kann bereits Erfolge bis M* vorweisen. Die Schimmelstute besticht durch hohe Rittigkeitswerte und absolute Leistungsbereitschaft.

Als Muttervater stehen der Ausnahmevererber Carthago Z, gefolgt von Literat (von Lord/ Farnese) und Cor de la Bryère, für erwiesene Blutlinien in Holstein, die nicht vieler Worte bedürfen. Carthago Z ist ein Capitol-Sohn, der unter Jos Lansink im Sport internationale hocherfolgreich war. Die Krönung seiner Sportkarriere waren die Teilnahme an zwei Olympischen Spielen (Atlanta 1996 & Sydney 2000), sowie der Sieg in zahlreichen Großen Preisen und Nationenpreisen z.B. in Aachen, Rotterdam und La Baule. Zu seinen erfolgreichsten Nachkommen gehören Mylord Carthago/ Penelope Leprevost (FRA) und Cash/ Marco Kutscher. Seine Nachkommen zeichnet typischerweise kapitales Vermögen und eine große Galoppade aus.

Zurück zum direkten Stutenstamm von Hermes de Lux: Die Großmutter und Staatsprämienstute California III brachte in der Schweizer Zucht Aldo 57 von Avanti mit S-Erfolgen im Springen, sowie Rubin XVI von Radar, der bis CCI* in der Vielseitigkeit in der Schweiz erfolgreich ist.

Die 3. Mutter Palme hat Lacor und Lacoste (beide von Lagos) gebracht, die jeweils Erfolge bis M-Springen gebracht haben und eine weitere Vollschwester namens Wilana, die Erfolge bis zur Klasse L vorweisen kann. Weiterhin ist sie Großmutter zu dem gekörten und bis S erfolgreichen Hengst Levernois von Literat und dem unter Ove Asmussen bis S*** (1,50m) erfolgreichen Leogretto von Lasino. Außerdem ist sie Großmutter zu Bjerglunds Catch me von Cormint I, die unter Rikke Haastrup Kristensen (DEN) Erfolge im Springsport bis 1,35m vorzuweisen hat.

 

Der Vater Hermes D’Authieux AA aus der französischen Leistungszucht überzeugt sportlich wie züchterisch. Er ist ein Gummiball mit ganz viel Leichtigkeit und Vermögen am Sprung. Er hat selbst im Sport Platzierungen bis zur Klasse S in Deutschland und Frankreich erlangt, gewann CSI** Prüfungen in Rion und Dijon. Weiterhin sind seine Röntgenbefunde als „vorzüglich“ eingestuft worden.

Dessen Vater Ithuriel AA war selbst im Springsport international erfolgreich mit Xavier Leredde (FRA). Der Großvater Night and Day xx war ein erfolgreicher Springvererber in Frankreich, er ist u.A. Vater von Shogoun II, der unter Philipp Lejeune/Eric Navet (FRA) international erfolgreich war, sowie Großvater zu Ulrich Kirchhoffs Jus de Pomme, der in Atlanta 1996 Einzel- und Mannschaftsgold im Springen gewann.

Der Stutenstamm von Hermes D’Authieux AA ist in Frankreich für seine herausragenden Springpferde bekannt. Seine Mutter Nahiade brachte 8 weitere Nachkommen, darunter die Stute Boule de Neige Jac/ Rodrigo Pessoa (BRA) die bis Weltcup-Springen erfolgreich war, Chipie de Cande, die „Pferd des Jahres“ in den USA wurde, sowie Illiade d'Authieux, Erfolgspferd bei den Sechsjährigen beim französischen Bundeschampionat in Fontainebleau.

Die 4. Mutter von Hermès d’Authieux, Sérénité, brachte Mokkaido AA (von Dionysos II), der in Aachen, München und Wiesbaden in Großen Preisen und Nationenpreisen unter Arnaldo Bologni (ITA) überzeugen konnte. Sein Vollbruder Fougueux AA war ebenfalls international im Springen erfolgreich und ein weiterer Vollbruder, Dairin AA, Vater von Cybèlle d’Ossau AA mit herausragenden Erfolgen im Springen auf CSI-Niveau.

Neben Hermes D’Authieux gibt es nur einen Angloaraber, der mich ähnlich am Sprung begeistert hat (namentlich Bonaparte N AA). Allerdings sprechen für Hermes D‘Authieux die bereits vorliegenden Daten über die Springeignung seiner volljährigen Nachkommenschaft. Es sei an diese Stelle beispielhaft auf seinen gekörten Sohn O’Pif d’Ivraie AA verwiesen, der Erfolge bis CSI** (1,40m) vorweisen kann. Die Nachkommen von Hermes D’Authieux AA zeichnen sich durchweg durch eine starke Oberlinie und ganz viel Engagement im Parcours aus. In Frankreich haben seine Nachkommen beim Championat der jungen Pferde in Fontainebleau (ähnlich unserem Bundeschampionat) regelmäßig in Springen und Vielseitigkeit brillieren können. Einzig die geringe Größenvererbung mag ihm angelastet werden.

 

Vererbung

Der arabische Überguss der Fohlen hat in den ersten beiden Jahrgängen des Hermes de Lux für Aufmerksamkeit und ordentliche Ergebnisse auf Fohlenschauen und Auktionen gesorgt. Allerdings liegt es mir fern ein schönes Gesicht zum Selektionskriterium zu machen und mir gefielen vornehmlich die sportlichen Attribute der Nachkommen. Im Verhältnis zu den Müttern wirkten die Fohlen sehr trocken, nobel und hochelastisch in den Bewegungen. In Sachen Bewegungsqualität erwarte ich mir von Hermes de Lux keine Wunder, denn die muss in der Anpaarung offenbar die Stute mitbringen.

Ich erwarte mir von Hermes de Lux aber einen blütigen Nachkommen, der neben dem nötigen Vermögen am Sprung auch eine gute Rittigkeit mitbringt. Wenn er zudem seine positive Arbeitseinstellung und Sportlichkeit weitergeben kann, ist schon viel erreicht.

 

Warum die Anpaarung an Lucy?

Mit einer Stute wie Lucy hat man bei der Hengstwahl die Qual der Wahl. Sportlich bewegt sie sich nahe an meinem persönlichen Optimum, sollte man allenfalls beim Hengst den Aspekt Rittigkeit nicht aus den Augen verlieren. Ein starker Rücken ist mir zudem grundsätzlich ein Anliegen, sowie die Erhaltung des Rahmens ohne deutliche Steigerung der vorhandenen Größe (1,69m). Es hat mich gereizt diese blütig gezogene Stute wieder an einen hoch im Blut stehenden Hengst anzupaaren. Dem geneigten Springpferdezüchter fällt es leider schwer gekörte Halbbluthengste mit Qualität am Sprung aufzutun, die eine sportliche Förderung erfahren UND züchterisch gewürdigt werden.

Mit Hermes de Lux habe ich einen höchstem Maße qualitätvollen Halbbluthengst, der aufgrund seiner Station und seinem Beritt alle Chancen im Sport bekommen dürfte und von der Züchterschaft bislang gut angenommen wird. Optimale Voraussetzungen also, um positiv wirken zu können. Leider ist die Berücksichtigung solcher Faktoren mit Blick auf einen späteren züchterischen Einsatz eines Stutfohlens aus solch einer Anpaarung mehr als empfehlenswert.

Der Einsatz eines Junghengstes birgt zusätzliche Risiken, da nie abschließend zu beurteilen ist, ob er mit seiner Nachzucht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen kann. Allerdings hätte mich bereits die Anpaarung an seinen Vater enorm gereizt. Dies ist aufgrund der Verfügbarkeit (Frischsamenversand aus Frankreich) und altersbedingt schwindenden Samenqualität schwierig geworden. Irgendwann muss man als Züchter dann das Theoretisieren einstellen und Taten folgen lassen. Ob der Nachkomme überzeugt, kann man immer nur durch eine Umsetzung der Anpaarung herausfinden. Der geringen Marktkonformität einer solchen Anpaarung bin ich mir bewusst.

Bei der Betrachtung der Nachzucht aus dem direkten Mutterstamm von Hermes de Lux fällt mir auf, dass die Anpaarung an Holsteiner L-Blut immer wieder sportlichen Erfolg gebracht hat. Dieser Umstand lässt hoffen, dass Lucys geballtes L-Blut hier ebenfalls positiv wirken kann.

 

 

Update Juli 2015: Hermes de Lux kann sich 6-jährig nach seiner Verletzungspause innerhalb von wenigen Wochenende mit Höchstnoten für das Bundeschampionat (Springen) qualifizieren. Die Freude über diese sportliche Eigenleistung ist groß und wird auch nicht dadurch geschmälert, dass er nicht in Warendorf antreten soll. Die Hengststation möchte seine Gesundheit nicht durch einen verfrühten Einsatz gefährden, eine vernünftige Entscheidung mit Blick auf die weitere Förderung und somit eine Bestätigung dafür, dass man an seine sportliche Qualität glaubt.

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