Die Sache mit der Größe

 

Die Sorge vor mangelnder Größe scheint ein verbreitetes Problem nicht nur in der Männerwelt zu sein. Selbst die Damen in der Reitsportszene können sich mit dem Gedanken an ein kleines Pferd nicht wirklich anfreunden. Diese Sorge setzt sich vom Kunden zum Züchter fort. Ein Pferd im Standardmaß 1.68-1.72m ist gewünscht. Viel größer oder kleiner darf es nicht sein.

Die „zu kleine“ Nachzucht von unter 1.65m stellt Züchter regelmäßig vor ein echtes Vermarktungsproblem, weil hier scheinbar nur über den Preis ein Verkauf zu erzielen ist. Das Schnäppchen für den kleinen Reiter sorgt für einen nicht unerheblichen materiellen Schaden beim Züchter und den Vorsatz es nicht noch einmal so weit kommen zu lassen. Egal bei welchem Hengsthalter man anruft, es wird einem sogleich Auskunft über Typ und Größe gegeben - die zwei Merkmale, die mit Leistung warscheinlich am allerwenigsten in Verhältnis stehen.

Ein großer Hengst muss her, wenn es bei der Stute Fragezeichen in der Größenvererbung gibt, so einfach ist das! Daber ist diese Entwicklung zu immer größeren Pferden aus tiermedizinischer Sicht absolut bedenklich.

 

Kleine Pferde ganz Groß!

Dabei gibt es doch immer wieder Sportpferde, die die Behauptung Lügen strafen, dass kleine Pferde mit den großen Distanzen im Parcours nicht fertig werden! Man denke nur an den quirligen Franzosen Itot du Chataux (1,59m), Flipper D’Elle (1,61m), Forsyth (1.63m) oder Lambrasco (1.60m), der unter Janne Friederike Meyer erst in Kentucky 2010 und im darauf folgenden Jahr beim Großen Preis in Aachen mit sensationellen Runden gewinnen konnte. Allesamt sind dies Pferde mit ganz viel Herz und Selbstvertrauen, trotz geringer Größe. Diese Beispiele führen wohl einleuchtend vor Augen, dass kleine Pferde (trotz geringer Chancen entsprechend vermarktet zu werden!) im internationalen Topsport bestehen können.

Im Dressurviereck tut man sich mit der Präsenz von kleinen Pferden noch mal deutlich schwerer als bei den Springreitern. Das Pferd könne „das Viereck nicht ausfüllen“, bei Maßen von 20x60m würde dem Pferd auf der Diagonalen der Sprit ausgehen und weitere Vorurteile sind weit verbreitet.

 

Solche Argumente sehen mich regelmäßig fassungslos. Rein optisch kann jedenfalls ein Sportpferd mit genug Rahmen und Gurtentiefe auch bei einem Stockmaß unter 1.65m noch große Reiter abdecken. Und in der Leistung sind ohnehin keine Einbußen zu verzeichnen. Ganz im Gegenteil, denn die Anzahl von Pferden jenseits der 1.75m mit Fesselträgerschäden und Sehnenproblemen ist bewiesenermaßen wesentlich höher als bei den Stallkollegen im mittleren Rahmen. Das scheint für ein Umdenken dennoch nicht zu reichen.

Groß ist die Zahl von Züchtern, die ihre kleinwüchsigen Pferde als Jugend- und Damenreitpferde zu Minimalpreisen verkaufen. Warum eigentlich? Es weiß doch heutzutage eigentlich jeder, dass Größe nicht alles ist…

 

 

Verfasst im Februar 2013

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