Futtermittelkunde in der Pferdefütterung

 

Diese Übersicht soll Einzelfuttermittel vorstellen, die in meinen Augen in der Pferdefütterung besonders wertvoll sind. Deren Vorzüge, aber auch weniger vorteilhafte Eigenschaften, sollen hier kompakt und deutlich dargestellt werden.

 

Die Futtermittel meiner Wahl werden in folgender Reihenfolge behandelt:

·         Grundkomponenten (Hafer, Gerste, Mais)

·         Eiweißlieferanten (Luzerne, Sojaschrot)

·         Zusatzfutter (Bierhefe, Leinsamen Kräuter)

 

Natürlich könnte diese Liste nach Belieben weiter ergänzt werden, denn auch Alfaalfa-Keimlinge, Bockshornkleesamen, Seealgen oder andere Spezialitäten haben ihre Berechtigung in der Pferdefütterung. Mit Blick auf die Praxistauglichkeit habe ich mich auf Futtermittel beschränkt, die ich regelmäßig selbst verfüttere. Ich vertrete in gewisser Weise eine „Back to Basics“ Ansicht, also die Verfütterung von natürlichen Produkten, deren Ursprung und Nutzen für das Pferd ich kenne.

Gemeinsam ergeben diese Zutaten ein hervorragendes Strukturmüsli aus eigener Herstellung, das nach individuellen Bedürfnissen zusammengestellt werden kann. Die genaue Zusammensetzung erläutere ich hier näher.

 

 

Hafer: Der Klassiker aus gutem Grund

Wenn man die Pros und Contras von verschiedenen Getreidesorten aufgrund von Verdaulichkeit und Wertigkeit objektiv vergleicht, muss für die Pferdefütterung der Hafer die logische Schlussfolgerung sein.

Hafer ist schon von der Form und Beschaffenheit her ideal als Pferdefutter geeignet. Haferkörner können von einem gesunden Pferdegebiss zermahlen werden und durch den hohen Spelzenanteil beim Kauen besser eingespeichelt. Dafür muss Hafer -im Gegensatz zu Gerste oder Mais- nicht einmal gequetscht, gewalzt, gepoppt, geschrotet oder sonstwie aufbereitet werden. Auch unbehandelt kann über 80% der Stärke im Hafer bis zum Ende des Dünndarms verdaut werden. Gerade dies ist der Hauptgrund für die hohe Verdaulichkeit des Hafers im Vergleich zu anderen Getreidesorten.

Bei der Fütterung von Gerste oder Mais gelangt wesentlich mehr unverdaute Stärke in den Dickdarm. Dies hat eine Vermehrung von Mikroorganismen und die Übersäuerung des Dickdarms bei hoher Belastung für die Leber zur Folge. Diesem Effekt kann man mit viel Raufutter ein klein wenig entgegenwirken.

Oft wird unterstellt Hafer würde unheimlich viel Eiweiß enthalten und wäre daher für viele Pferde ungesund, bzw. würde Hufrehe begünstigen. Das ist nicht richtig, denn Hafer ist nicht besonders eiweißhaltig. Genaugenommen ist Hafer nicht nur für die Fütterung von säugenden Zuchtstuten und Aufzuchtpferden nicht eiweißhaltig genug, sondern auch genauso eiweißhaltig wie Gerste.

 

Hafer liefert hochverdauliche Energie, die schnell in den Stoffwechsel eintritt, ist dabei aber relativ eiweißarm. Deswegen sind Pferde mit Haferfütterung spritzig und leistungsbereit. Als Stehfutter ist Hafer umstritten, denn einerseits spricht die hohe Verdaulichkeit für Schonkost, andererseits liefert er schnelle Energie, die im Krankheitsfall vollkommen unnötig ist. Muss ein Pferd krankheitsbedingt geschont werden oder wird nur wenig geritten, sollte man statt viel Getreide ohnehin lieber große Mengen Raufutter anbieten.

Bemerkenswert beim Hafer ist der hohe Anteil an ungesättigten Fettsäuren. Hafer enthält fast doppelt so viele essentielle Aminosäuren wie Gerste und Mais. Die vielen ungesättigten Fettsäuren sorgen für ein glänzendes Fell. Die Schleimstoffe im Hafer haben eine positive Auswirkung auf den Stoffwechsel und die Verdauung. Weiterhin sind viel Magnesium, Eisen, sowie Vitamin K und Biotin enthalten.

Aber Hafer hat wie andere Getreidesorten auch Schwächen: Das enge Calcium-Phosphor-Verhältnis sorgt für einen Mangel an Kalzium und den fettlöslichen Vitaminen A und D. Eine reine Heu/ Hafer-Fütterung ohne Ausgleich durch ein geeignetes Mineralfutter ist daher nicht empfehlenswert.

 

In welcher Form soll Hafer verfüttert werden?

Der Vorteil von gequetschtem Hafer gegenüber dem ganzen Korn wird oft überbewertet. Auch als ganzes Korn ist der Hafer eine hochwertige Energiequelle. Die Verdaulichkeit von ganzem Hafer liegt bei über 80% und nimmt durch Quetschung nur um etwa 2-5% zu. Ungequetschter Hafer muss vom Pferd gründlicher gekaut werden und ist daher für ältere Pferde mit Zahnproblemen manchmal unabgebracht.

Die deutlich längere Haltbarkeit und die bessere Kautätigkeit sprechen für die Verwendung von ganzem Hafer. Gequetschter Hafer kann noch einfacher verdaut werden, ist aber sehr anfällig für Verderb und Pilzbefall. Daher sollte Quetschhafer möglichst noch am selben Tag verfüttert werden und darf nicht länger als 3 Tage gelagert werden.

 

Bei der Qualitätsbeurteilung des Hafers gilt es genau hinzusehen. Es ist zweckmäßig mehrfach gereinigte Haferkörner zu wählen, deren Staubgehalt deutlich reduziert ist. Der häufigste Grund für „Haferunverträglichkeit“ liegt gar nicht am Hafer selbst, sondern an dessen Staubgehalt, bzw. dem Vorhandensein von Schimmel oder Futtermilben. Eine optische und sensorische Qualitätsprüfung ist daher unerlässlich beim Kauf von Hafer.

Leichte und kleine Körner haben durch den hohen Schalenanteil mehr Eiweiß, liefern dafür aber weniger Energie und sind schlechter verdaulich. Daher sollte man im Handel auf ein möglichst pralles, rundes Korn und ein hohes Litergewicht achten. (Zum prüfen ein Litermass mit Hafer füllen und abwiegen).

Das Litergewicht gibt Aufschluss über den Energiegehalt des Hafers. Hafer für Reitpferde sollte im Idealfall ein Litergewicht von 550 bis 600g aufweisen. Hafer mit einem Litergewicht unter 500g sollte nicht für die Pferdefütterung gekauft werden. Hier ist der Anteil an Eiweiß und Rohfaser zu hoch und der Anteil an verdaulicher Energie zu gering.

Die Fütterung der Pferde sollte ebenfalls im Idealfall nicht nach Volumen, sondern Gewicht erfolgen, damit Qualitätsunterschiede des Korns ausgeglichen werden können.

 

Wegen der leichten Verdaulichkeit und den Schleimstoffen darf Hafer (ebenso wie Leinsamen) in keiner Mash-Zubereitung fehlen. Diese Zubereitung wird von vielen Pferdehaltern aufopferungsvoll im Winter den Pferden als warme Mahlzeit präsentiert. Notwendig ist dies bei einem gesunden Pferd nicht, wegen den gesunden Zutaten kann man damit aber auch nichts falsch machen. Absolut überzeugend ist Mash dagegen als schonende und aufbauende erste Mahlzeit, z.B. nach einer Kolik oder Fohlengeburt.

Rezept für Mash: 250g gequetschter Hafer, 200g Weizenkleie, 100g gelber Leinsamen und 1 TL Salz mit kochendem Wasser zur gewünschten Konsistenz vermengen.

 

 

Gerste: Universalfutter mit ruhiger Energie

Ein ganzes Gerstenkorn ist aber sehr hart und von Pferdezähnen nur schlecht zu verwerten. Die Verdaulichkeit des ganzen Korns liegt bei teilweise nurbei 20%, was insbesondere Jungpferde und ältere Pferde nicht empfehlenswert ist. Daher sollte Gerste für die Pferdefütterung nur in aufgeschlossener Form (also geflockt, gepoppt oder gequetscht) gekauft werden, was die Verdaulichkeit um etwa 15% verbessert. Anders als beim Hafer gibt es bei der Gerste im gequetschten Zustand weniger Probleme mit der Lagerfähigkeit.

Gerste ist in aufgeschlossener Form sehr energiereich, allerdings fließt diese Energie langsamer in den Stoffwechsel des Pferdes ein als beim Hafer oder Mais. Gerste gilt daher als besonders gut verträglich für verschiedenste Pferde. Außerdem füttern 900 Gramm Gerste ein Pferd wie 1 kg Hafer, was dazu führt, dass mit der Gerstefütterung Kosten und Lagerraum einspart werden können.

Trotzdem ist Gerste als alleiniges Kraftfutter für Pferde nicht geeignet, weil der hohe Stärkeanteil und deren Unverdaulichkeit zu Fehlgärungen im Dickdarm führen kann. Der Zusammenhang zwischen Hufrehe und Gerstenfütterung wurde schon vor vielen Jahrhunderten hergestellt und ist heute wissenschaftlich nachweisbar. Der Gersteanteil an der Kraftration sollte 50% nicht übersteigen. Eiweißarme Sorten wie Brauereigerste sind in der Pferdefütterung vorzuziehen.

Gerste hat ein besseres Aminosäuremuster als Hafer, muss aber mit essentiellen Fettsäuren ergänzt werden. Eine Hafer-Gerste-Mischung bietet sich daher an.

Gerste ist bei gemischten Populationen in Pensionspferdebeständen besonders oft anzutreffen, denn sie wird von verschiedensten Pferdetypen vom Hochleistungssportler bis zum Pony meist gut vertragen. Allerdings scheinen gerade die sogenannten Südpferde (Englische Vollblüter, Araber, Berber, Warmblüter, Quarter, PRE) besonders von der Fütterung mit Gerste zu profitieren. Das erklärt wohl warum sich Gerste im Orient als Pferdefutter erster Wahl durchsetzte.

Bei unterschiedlichen Pferden kann aufgrund von Faktoren wie Fressgeschwindigkeit, Zahnzustand, etc. die Verdaulichkeit durchaus unterschiedlich ausfallen. Bei ganzen Gerstenkörnern wurden beispielsweise je nach Sorte eine Verdaulichkeit zwischen 20 und 80% angegeben. Daher können die hier genannten Angaben nur Annäherungen an die Realität darstellen.



Mais: Das Mastfutter zur Substanzerhaltung

Man sagt 800 Gramm Mais ersetzen 1 Kilo Hafer. Insbesondere in den USA hat Mais wegen dieses hohen Energiegehalts bei niedrigem Eiweißgehalt dieselbe Bedeutung wie bei uns in Europa der Hafer. Mais gilt als Mastfutter, das schnell zu Substanzgewinn führt und ist daher ideal für zu dünne Pferde, oder um bei hoher sportlicher Belastung einem Substanzverlust vorzubeugen. Hochleistungspferde und Zuchtstuten profitieren von der Maiszufütterung wegen disem hohen Energiegehalt.

Mais hat einen hohen Anteil an Kohlenhydraten von 70% (im Vergleich zu 45% beim Hafer und 60% bei der Gerste). Außerdem liefert Mais einen hohen Gehalt an Beta-Carotin, und enthält weiterhin Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Kalium, Vitamin E, Fluor, Natrium, Kieselsäure und Selen.

Mais ist als Grundfuttermittel für Pferde trotzdem nur in geringen Mengen geeignet. Die harte Struktur des Korns sorgt dafür, dass die Verdaulichkeit etwa bei Bruchmais bei lediglich 30% liegt. Als ganzes Korn kann Mais vom Pferd überhaupt nicht verwertet werden.

Es gibt bei der Fütterung von Mais reichlich Mankos, weswegen Mais mancherorts als Viehfutter verschrien ist, das in der Pferdefütterung nichts zu suchen hat. Wegen dem hohen Stärkeanteil ist Mais nämlich nicht besonders gut verdaulich, die Abbauvorgänge der Stärke im Dickdarm können für Übersäuerung sorgen. Weiterhin ist die Proteinqualität geringer als beim Hafer, der Anteil an essentiellen Aminosäuren und Fettsäuren ebenfalls gering. Insbesondere der minimale Kalziumgehalt von Mais (nur 1/3 des bereits zu niedrigen Kalziumanteils im Hafer) muss unbedingt ausgeglichen werden.

Der Fütterung mit einem hohen Maisanteil wird nachgesagt, dass sie steife Pferde hervorbringt, die durch vermehrte Schweißbildung und eine schlechte Kondition auffallen.

 

Bei Robustrassen oder Pferden mit geringer Belastung sollte man sich überlegen, ob Mais überhaupt verfüttert werden muss. Als Erhaltungsbedarf für normal arbeitende Warmblüter sollte Mais nur einen Anteil von etwa 10% der Ration ausmachen. Bei hoch im Blut stehenden Pferden ist ein Anteil von bis zu 25% der Ration bei leichter bis normaler Arbeit durchaus angebracht, insbesondere wenn das Pferd im Winterhalbjahr oder aufgrund hoher Belastung zu Substanzverlust neigt.

Hochleistungspferde können dagegen Mengen von bis zum 1/3 der Kraftfutterration vertragen. Wegen dem hohen Stärkeanteil sollte bei der Maisfütterung besonderer Wert auf einen Ausgleich durch viel Rohfaser gelegt werden und am besten noch Öle zugefüttert werden.

Im Handel wird Mais gern in Flockenform Müslis beigefügt, um eine zu eiweißreiche Fütterung zu vermeiden und für ein ausgeglichenes Wesen zu sorgen. Als Einzelfuttermittel für Pferde wird Mais als Bruchmais oder in Form von Flocken oder hydrothermisch aufbereitet angeboten. Die Fütterung von Maisschrot ist für Pferde bedenklich, weil Schrot enorme Mengen an Getreidestärke liefert, die im Dickdarm für Ärger sorgen.

 

 

Luzerne: Natürliches Kraftfutter

Luzerne wird auch Alfaalfa genannt und ist schon seit mehreren Jahrhunderten als Pferdefutter bekannt. Diese hochwertige Futterpflanze liefert 50% mehr verdauliche Energie als Heu von guter Qualität. Damit ist Luzerne eine hochverdauliche Rohfaser und ein natürliches Kraftfutter, das seine Energie langsam freisetzt.

Luzerne ist darüber hinaus eine der besten Quellen von hochwertigem Eiweiß, essentiellen Aminosäuren, Biotin, Vitaminen A, E, K, B6 und D, sowie Mineralstoffen (insbesondere Kalzium, Eisen und Kupfer) in natürlicher Form. Luzerne enthält außerdem Fette und sorgt damit von innen heraus für ein glänzendes Fell.

Während Weiden (oder Silage) über die künstliche Düngung mit Stickstoff versorgt werden, kann Luzerne Stickstoff über Wurzelbakterien aus der Luft binden und produziert daraus eine hervorragende Eiweißqualität. Weiterhin hat Luzerne im Vergleich zu Heu und Silage einen niedrigen Gehalt an Zucker und Stärke.

Aber die positiven Eigenschaften von Luzerne nehmen kein Ende, denn diese faserreiche Ergänzung hat außerdem ein Ca:Ph Verhältnis von 5:1, womit es eine ideale Ergänzung/ Ausgleich zu einer Getreideration ist. Als Beigabe zur Kraftfutterration hat Luzerne außerdem den positiven Nebeneffekt, dass das Getreide vom Pferd gründlicher gekaut und dadurch besser eingespeichelt und leichter verdaut wird. Das reduziert nachweisbar das Kolikrisiko und sorgt für eine hohe Verwertbarkeit des beigefügten Kraftfutters.

Da Luzerne für schnellen Substanzgewinn beim Pferd sorgt, ist sie ideal als Winterfutter oder für schwerfuttrige Pferde geeignet. Luzerne ist weiterhin ideal zur Fütterung von hochtragenden bzw. laktierenden Zuchtstuten, sowie eine perfekte Ergänzung in der Jungpferdeaufzucht. Luzerne kann aber auch zum Aufbau von geschwächten Pferden eingesetzt werden, da sie besonders leicht verdaulich ist.

Im Handel wird Luzerne oft mit Melasse versetzt, was Staub bindet, aber fürs Pferd nicht besonders gesund ist. Trockene, leicht melassierte Varianten sind vorzuziehen (z.B. Hartog Luzerne-Mix). Luzernepellets sind zwar leichter in der Handhabung, aber der große Vorteil der faserreichen Struktur und deren positiven Eigenschaften auf das Fressverhalten und die bessere Verdauung entfallen.

Fütterungsempfehlung: 200 bis 500g pro Ration Kraftfutter. Als Heuersatz oder zur Aufwertung von minderwertigem Heu kann man bis zu 5 kg Luzerne täglich verfüttern

 

 

Sojaschrot: Hochwertiger Eiweißlieferant

Sojaschrot ist ein Nebenprodukt der Ölgewinnung aus der Sojabohne. Extraktionsschrot heißt das Produkt, wenn das Öl bereits „extrahiert“ (entnommen) wurde. Die hierzu zugeführten Mittel (Hexan) werden durch ein Röstverfahren wieder herausgelöst. Soja wird traditionell in großen Mengen in der Viehfütterung eingesetzt.

Es gibt viele Vorbehalte gegenüber Sojaschrot, weil es zum Großteil aus genetisch modifiziertem Soja gewonnen wird. Außerdem werden für den Anbau von Soja Monokulturen angelegt und Urwälder abgeholzt. Die Genmanipulation wurde vorgenommen, damit Soja gegenüber einem Herbizid zur Unkrautvernichtung resistent ist. Dieses Herbizid kann auf den Soja-Anbauflächen nun großzügig ausgebracht werden und vernichtet alles Unkraut, ohne die genveränderte Pflanze zu schädigen. Kritiker weisen darauf hin, dass die die Folgen aus der gentechnischen Veränderung und deren Folgen für den Ackerbau und in der Viehfütterung kaum abzusehen sind.

Soja ist aus der Viehfütterung kaum mehr wegzudenken, da es sehr hochwertiges Protein liefert und Gen-Soja preisgünstig ist. Zur Anschauung: Die Sojabohne wird auf 6% der weltweit vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzfläche angebaut. Der Kauf von nicht genmanipuliertem Soja gestaltet sich dagegen oft schwierig wegen der mangelnden Verfügbarkeit und ist auch deutlich teurer.

Warum also Soja in der Pferdefütterung einsetzen? Trotz aller Vorbehalte gegenüber den Anbau- und Herstellungsmethoden sind die Vorteile durch die Fütterung von Soja im Zuchtstutenbestand und bei der Aufzucht sehr deutlich sichtbar. Es kommt auch kaum ein hochwertiges Zuchtstutenfutter oder Fohlenstarter-Produkt ohne Soja aus. Das hat auch seinen Grund: Während der Hochträchtigkeit steigt der Energie- und Eiweißbedarf der Stute stark an und sie braucht essentielle Aminosäuren, wovon Soja besonders hohe Anteile enthält. Außerdem überzeugt Soja mit einer guten Aminosäurenstruktur, die für die hohe Wertigkeit der essentiellen Aminosäuren sorgt. Diese essentiellen Aminosäuren sind auch für die Anregung der Milchproduktion wichtig und wirken sich auf Milchmenge und Einweißgehalt der Stutenmilch aus. Weiterhin hat Sojaschrot einen Anteil von um 40% Rohprotein.

Bei geringer Milchleistung oder zur Substanzerhaltung während der Trächtigkeit und Laktation kann man die Zufütterung von Sojaschrot bei Zuchtstuten empfehlen. In der normalen Pferdefütterung würde ich Sojaschrot nicht einsetzen.

Fütterungsempfehlung: 100 bis 250 Gramm täglich (Unbedingt abwiegen, weil man sich mit dem Gewicht leicht vertut!)

 

 

Bierhefe: Natürliches Mineralfutter

Bierhefe ist ein Nebenprodukt der industriellen Bierherstellung. Dennoch ist es ein natürliches Produkt, das sich durch seine wertvollen Inhaltsstoffe für die Pferdefütterung empfiehlt. Bierhefe ist ein natürliches Mineralfutter mit hoher Bioverfügbarkeit, das sich noch dazu positiv auf Darm, Haut, Fell, Hufe und das Allgemeinbefinden auswirkt.

Bierhefe zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an Proteinen (insbesondere hochwertigen Lysin), Enzymen, einer besonders hohen Menge an B-Vitaminen, verschiedene schwefelhaltigen Stoffen, Selen, Nukleinsäuren, essentiellen Aminosäuren und Mineralstoffen aus.

Bierhefe unterstützt in idealer Weise die Verdauung. Für die Regeneration des Darmes sorgt Bierhefe, indem ein positives bakterielles Gleichgewicht im Dickdarm hergestellt wird, wodurch der pH- Wert im Darm stabilisiert wird. Bierhefe eignet sich damit ideal, um die negativen Nebeneffekte der Getreidefütterung für den Pferdeorganismus abzumildern und die Verwertbarkeit des Futters zu steigern. Auch als Darmsanierung nach Antibiotika-Gaben oder zur Unterstützung bei einer Behandlung von Durchfall und Kotwasser kann Bierhefe zum Einsatz kommen.

Die Fütterung von Bierhefe hat sich insbesondere als Kur im Winterhalbjahr und zur Unterstützung der Darmflora bei der Umstellung auf die Weidesaison bewährt. Für Zuchtstuten ist es wissenswert, dass Bierhefe die Fruchtbarkeit begünstigt. Auch hochtragende Zuchtstuten profitieren in den letzten Wochen vor der Geburt von der Unterstützung des Verdauungsapparats und den gesunden Inhaltsstoffen.

Einziges Manko der Bierhefe ist das ungünstiges Kalizum-Phosphor Verhältnis (bei einer 40:60 BT-Mischung immer noch 3:10). Insbesondere tragende Stuten und Fohlen benötigen aber Kalzium, um das Skelett zu mineralisieren. Daher sollte die Fütterung von Bierhefe hier nur Kurweise erfolgen und mit einer Ergänzung von Kalzium einhergehen.

Bierhefe kann im Prinzip in Mengen von bis zu 500g pro Tag verfüttert werden. Bierhefe ist im Geschmack für viele Pferde allerdings gewöhnungsbedürftig und wird oft nur in geringen Mengen aufgenommen. Daher wird Bierhefe von den meisten Herstellern in Kombination mit etwas wohlschmeckendem, z.B. Weizenkleie (Leiber BW Bierhefe) oder Apfeltrester (Granutop), verkauft. Allerdings reduzieren sich mit dem Bierhefe-Gehalt im Zusatzfutter auch die positiven Eigenschaften der Bierhefe.

 

 

Leinsamen: Hochwertige Ölsaat

Als Leinsamen oder Leinsaat wird der Samen von Flachs bezeichnet. Dieses Naturprodukt ist perfekt zur Ergänzung der Pferdefütterung. Leinsamen hat eine positive Wirkung auf Fell und Verdauung des Pferdes, wirkt leicht abführend und pflegt mit den enthaltenen Schleimstoffen die Magenschleimhaut. Durch die Unterstützung der Verdauung kann die Nährstoffaufnahme verbessert werden. Leinsamen enthalten viele wertvolle Öle, Linolsäure, Lysin, Proteine und Selen.

Leinsamen wird gerne im Fellwechsel oder als Teil von Mash gefüttert, ist aber rund ums Jahr eine gesunde Ergänzung. Leinsamen ist ein sehr bekömmlicher Zusatz, der nach hoher Beanspruchung verfüttert werden kann, ideal also nach einer Kolik oder Fohlengeburt.

 

Welches Leinsamen-Produkt wählen?

Vorerst gilt es den Unterschied zwischen braunem und gelbem Leinsamen klarzustellen. Da gewöhnlicher brauner Leinsamen ein Enzym enthält (Glycosid), das Blausäure freisetzt, muss er vor der Verfütterung kurz aufgekocht werden. Alternativ gibt es mit gelbem Leinsamen (oder Goldleinsamen) eine Leinsaat, die geringere Anteile an Blausäure freisetzt und deswegen in Mengen bis 100g problemlos ungekocht verfüttert werden kann.

Die Schleimhülle des Leinsamens, die eine so positive Wirkung auf den Verdauungstrakt hat, entsteht erst, wenn das Korn mit Flüssigkeit in Berührung kommt. Diese Hülle entsteht bei Fütterung des trockenen Korns durch Wasserentziehung im Pferdekörper und entfaltet seine Wirkung damit erst im Darm. Für eine optimale Ausnutzung der Wirkung des Leinsamens bereits im Magen des Pferdes kann man ganzen Leinsamen in Wasser (oder Mash) vor der Fütterung quellen lassen. Diese Verfahrensweise bietet sich an, wenn ein Pferd Magengeschwüre -oder eine Neigung hierzu- hat.

 

Ausgangspunkt für alle Leinsamenprodukte ist immer die sogenannte Leinsaat. Diese besteht zu etwa 30-40% aus Öl, das auch separat an Pferde verfüttert werden kann. Die Vorzüge von der Fütterung von Leinöl werden in einem gesonderten Abschnitt erklärt.

Leinöl enthält aber keine Schleimstoffe, denn die sind in der Schale der Leinsaat zu finden. Daher ist die Fütterung von ganzem Leinsamen in der Wirkungsweise noch reichhaltiger. Allerdings sind die kleinen Schalen der Leinsaat so hart, dass Pferde sie nicht komplett verwerten können. Daher ist eine aufgeschlossene Form (gecrackter Leinsamen, Leinschrot oder Leinkuchen) eine denkbare Alternative zum ganzen Korn.

Leinkuchen hat allerdings durch die hohe Hitze und mechanische Einwirkung der Pressung bei der Herstellung Fette und Schleimstoffe verloren. Andererseits hat kalt gepresster Leinkuchen eine um etwa 25% höhere Verdaulichkeit als ganze Leinsaat. Damit ist ein kaltgepresster Leinkuchen ergiebiger und die Schleimstoffe der Schale bereits im Magen zugänglich.

Das Schroten der Leinsamen ist möglich, damit die Leinsaat samt den wertvollen Inhaltsstoffen beinahe gänzlich verdaut werden können. Insbesondere für Mash ist dies eine gute Wahl, um das Korn optimal zu nutzen. Leinschrot hat aber den Nachteil der geringen Haltbarkeit, weswegen Schrot am besten schnell verfüttert werden sollte.

Die ideale Wahl in der Pferdefütterung ist aus diesen Gründen der sogenannte gecrackte Leinsamen. Hier wurde die Oberfläche des Korns leicht aufgebrochen oder angeritzt, was die Verdauung des Korns erleichtert und alle wertvollen Inhaltsstoffe für die Verdauungssäfte bestmöglich zugänglich macht. Gecrackter gelber Leinsamen kann bedenkenlos pur verfüttert werden. Zu kaufen gibt es das z.B. in Form von Leingold der Firma Schäfer oder Linustar von St. Hippolyth, bzw. gecrackter Leinsamen ist auch in Form von Fertig-Mash bei diversen Herstellern im Sortiment.

Fütterungsempfehlung: 100g täglich für ein Großpferd

 

 

Kräuter

Naturbelassene Kräuter sind eine hervorragende Ergänzung für Pferde. Ideal wäre es natürlich, ein Pferd könnte sich die benötigten Kräuter saisonal selbst auf der Weide pflücken. Wer sich auf den heutigen Pferdeweiden umsieht, entdeckt aber in der Regel entweder gepflegte Monokulturen mit wenig Artenreichtum oder Wildwuchs mit zahlreichen Ansammlungen ungenießbarer Gewächse wie dem bitteren Sauerampfer oder die Duldung der Ausbreitung von -hoffentlich nur- mäßig giftigen Pflanzen (wie z.B. die Sumpfdotterblume).

Bei den meisten Pferdeweiden kann heute nicht mehr von Kräuterwiesen die Rede sein. Nicht viel besser sieht es in Sachen Artenreichtum auf den landwirtschaftlichen Nutzflächen aus, auf denen Heu gewonnen wird. Alles andere ist Wunschdenken. In Zeiten von utopisch teurem Raufutter kann der Pferdehalter froh sein überhaupt Heu in ordentlicher Qualität und in ausreichenden Mengen zu ergattern. Wer nicht gerade Bergwiesenheu direkt vom Ökobauern bezieht, der wird in seinem Heu keine besonders hohe Gräser- und Kräutervielfalt antreffen.

Nun gebe ich zu, dass es kontraproduktiv ist, täglich medizinisch hochwirksame Kräutermischungen ohne echte Veranlassung in Form von gesundheitlichen Indikationen in großen Mengen zuzufüttern.

Wer sich jedoch über die Wirkungsweisen von Kräutern informiert, wird feststellen, dass viele Gewächse ganz erstaunliche medizinische Wirkung entfalten. Eine Kur mit getrockneten Kräutern über wenige Wochen zur Unterstützung der Atemwege im Winter oder zur Unterstützung des Stoffwechsels im Frühjahr, kann daher durchaus positiv wirken. Ebenso sinnvoll ist natürlich eine Ergänzung des Futters mit Einzelkräutern ganz nach gesundheitlichem Bedarf.

 

 

Verfasst im April 2012

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